So schmeckt Geschichte!

Jeder kennt es, nahezu jeder isst es. Zum Frühstück, als zwischenzeitliche Stärkung oder zum Abendessen. Brot ist nahrhaft, sättigend und gehaltvoll. Über 30.000 Jahre Geschichte und Erfahrung stehen hinter jedem Bissen – kein Wunder, dass es vielen so gut schmeckt. Historisch betrachtet verkörpert das Getreideprodukt aber weitaus mehr, da ihm eine religiöse, politische und emotionale Symbolik zugesprochen wird.

Die Vorläufer des klassischen Brotes

Es ist das Brot, das einen warm hält, und nicht der Pelz – so befindet es zumindest ein russisches Sprichwort, das nahezu so alt ist wie das Brot selbst. Weise Worte, wenn man bedenkt: Brot zählt seit jeher zu den elementaren Grundnahrungsmitteln. Doch wo verzeichnet das teigige Erzeugnis eigentlich seinen Ursprung?

Die ersten Vorläufer des heutigen Brotes lassen sich vor 30.000 Jahren ausfindig machen. Nördlich der Alpen, in Russland und Tschechien, wurden die ersten Pflanzen für den Verzehr gemahlen.

Der nachhaltige und systematische Anbau von Roggen, Weizen und anderen Ingredienzen begann vor circa 10.000 Jahren. Zu dieser Zeit hatte die Herstellung keinen kommerziellen Hintergrund – vielmehr versorgten sich die Haushalte selbst. Das per Hand geriebene Getreide wurde zunächst mit Wasser angereichert. Das Ergebnis der Vermengung war eine breiige Masse, die sich als sättigend und stärkend bewährte. Insbesondere Bauern und Handwerker, die körperliche Arbeiten verrichten mussten, profitierten von der neuartigen Speise.

 

Aus Brei wird Brot

Im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass sich das Erzeugnis vorzüglich für den Backofen – damals in Form von heißen Steinen oder Asche – empfahl. Es entstanden die ersten Fladenbrote. Neben dem geschmacklichen Mehrwert erwies sich diese Zubereitung als bekömmlicher für die menschliche Physis. Des Weiteren brachte die Erhitzung einen nicht unerheblichen strategischen Faktor mit sich: Das getrocknete Brot ließ sich besser konservieren und auf Reisen befördern.

Die Herstellung von Brot wurde schließlich durch zwei Innovationen revolutioniert: Die Erfindung von Backöfen und die Entdeckung der Wirkungsweise von Hefen. Beides gewährleistete fortan das Kreieren von richtigen Brotlaiben. Der steinerne Ofen begünstigte die gleichmäßige Erhitzung, die Erfahrungswerte mit Hefe verhalfen dazu, dem Teig einen kulinarischen Mehrwert zu verleihen. Die Ergebnisse der ersten Versuche waren eher dem Zufall geschuldet. Eine wichtige Errungenschaft, um beständige Produkte zu fertigen, war die Methodik der Sauerteiggärung. Diese wird noch heute in Backstuben und privaten Küchen praktiziert.

Die nomadisch anmutenden Backöfen wurden schließlich von den Ägyptern perfektioniert – die lehmartigen Konstrukte wiesen optische Parallelen zu Bienenkörben auf. In ihnen schwoll das Brot an und es entstand eine feste Kruste. Bereits 1500 v. Chr. hatte das Pharaonenvolk über 30 Sorten entwickelt, die sich in Form, Beschaffenheit und Zutaten unterschieden.

 

Die Expansion – Brot in aller Munde

 Die Tatsache, dass sich die Ägypter als ausgezeichnete Bäcker erwiesen, blieb nicht lange unbemerkt. Die Kunde verbreitete sich bis Griechenland und Rom. Dort wurden derweil effiziente Mühlen gebaut, in denen feinkörniges Mehl gemahlen werden konnte. Des Weiteren konzipierten die Römer einen Trog zum Kneten des Teigs – prominente Hölzer, die durch einen Ochsen oder einen Sklaven bewegt wurden, walkten diesen um. So war eine römische Bäckerei bereits vor 2000 Jahren imstande, täglich über 30.000 Kilogramm des nahrhaften Guts herzustellen.

Fortan bildeten die ägyptischen und römischen Techniken den Grundentwurf für die Herstellung des Brotes. In vielen europäischen Dörfern wurden gemeinschaftliche Öfen aufgestellt, die jeder Bürger nutzen konnte. Hervorzuheben ist, dass auf gesellschaftlicher Ebene strikt zwischen Weiß- und Schwarzbrot unterschieden wurde. Weißbrot galt als ein hochwertiges Lebensmittel, das den oberen Schichten vorbehalten war. Die niederen Stände mussten mit dunklem Brot vorliebnehmen.

 

Die kulturelle Eingliederung des Brotes

Neben seinem hauptsächlichen Nutzen – der Zufuhr von Kohlehydraten – wird dem Brot auch eine ideelle Bedeutung zugesprochen. Sowohl in der jüdischen und christlichen Tradition als auch in der Politik.

Unser täglich Brot gib uns heute – in der Religion ist es die vermeintliche Ambivalenz, mit der das Brot kokettiert. Es steht sinnbildlich für die Großzügigkeit Gottes, der seine Kinder reichhaltig ernährt. Zugleich gilt Brot als simple Speise, die für jeden zur Verfügung steht. Sie wird mit Demut assoziiert.

Auf politischer Ebene hatte das Einfordern von Brot allzeitig einen hohen Stellenwert – zyklische Knappheiten des natürlichen Guts waren dunkle Vorboten von Hungersnöten, Volksaufständen und Krankheiten.

Festzuhalten bleibt, dass das Brot einen zentralen Bestandteil im täglichen Speiseplan der Weltbevölkerung einnimmt. Dank seiner Vielseitigkeit, seinen energievollen Inhaltsstoffen sowie der praktischen Handhabung zählt es zu den populärsten und leckersten Nahrungsmitteln überhaupt.

Seit 1953 trägt unsere Bäckerei seinen Teil zur Geschichte des Brotes und der Backwaren dabei. Doch vor so einer langen Historie können auch wir uns nur verneigen – die Backkunst ist ein Handwerk, das zum Menschen gehört. Deshalb freuen wir uns jeden Tag, den Genuss in den Gesichtern unserer Kunden zu sehen!